Andersrum – Hausstrecke per (e)MTB

Es ist geschehen, ich habe es gemacht. Die lange Zeit des soll ich oder soll ich nicht ist vorüber. Ich habe es gekauft. Letztlich ging alles ganz schnell. Eine kurze Probefahrt, noch ein wenig betrachten, die obligatorische Nacht darüber schlafen und schließlich – meins!

Nun bin ich Besitzer eines reichlich bunten eMTB. Ich schreibe ganz bewusst nicht ’stolzer‘ Besitzer, weil ich mir immer noch nicht sicher bin, ob ich es wirklich und ehrlich genießen kann, diesen unverschämten Spass, den ein solches Gefährt macht. Ist es nicht ein blasphemischer Akt, wenn man mit 85Nm Steigungen bezwingt, in einer Geschwindigkeit, die mit dem (Bio)MTB kaum vorstellbar scheinen? Mit einem Mal rücken technisch anspruchsvolle Bergauffahrten in den Fokus und ich meine damit nicht die Berganfahrten, die einem die Kondition aus den Beinen ziehen und den Durchhaltewillen auf eine ernste Probe stellen. Ich spreche von den kleinen fiesen Rampen, auf losem oder weichen Boden, gespickt mit Felsen und glattem Wurzelwerk, von solchen Steigungen die man eher selten im Sattel auf anhieb schaft. Das ist auf einmal ganz einfach, weil da eine Kraft wirkt, auf das Hinterrad, eine fast brachiale Kraft die jeden meiner Kurbelumdrehungen um über 300% steigert. Doch das sind nur die schnöden technischen Zahlen des Herstellers. Sie sagen wenig über das Vergnügen, über den Spass, den man mit so einer Maschine auf dem Trail, im Wald, auf der Piste hat.

Für mich und mein fahrtechnisches Können war es der logisch nächste Schritt. Gelernt habe ich, dass mein Haustrail im Bayrischen Wald nun anders herum gefahren werden muss. Bis jetzt lag der Fokus immer auf dem Bergab. Das ist bei einem eMTB dieses Kalibers nun plötzlich langweilig.